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mit der
besetzung des vorher 4 jahre leer stehenden ehemaligen kinderheims
in der reilstraße 78 in halle begann am 16. juni 2001
unser projekt. basierend auf erfahrungen und unserem politischen
verständnis, erschien eine hausbesetzung das geeignete
mittel zu sein, um die vorstellungen von einem selbstverwalteten,
selbstgestalteten und unkommerziellen freiraum auszuleben.
wir wollten ein subkulturelles, soziales und politisches
zentrum in halle schaffen, in denen sich menschen mit den
verschiedensten ideen treffen können.
initiiert wurde die besetzung von menschen
aus verschiedenen politischen und subkulturellen zusammenhängen,
die sich unter der bezeichnung „initiative reilstrasze
78“ zusammenfanden.
es begann mit einer 400-leute-party und
ersten infoveranstaltungen und filmvorführungen innerhalb
der ersten woche. die meiste zeit ging mit plena drauf –
basisdemokratie und diskussionen als weg zu fairerer entscheidungsfindung.
die stadt hatten wir per fax gleich eingeladen,
mit uns über unsere vorstellungen zur nutzung dieses
schönen geländes zu reden. nach dem ersten wochenende
meldeten sich auch schon die ersten stadtvertreter in form
der wohl für zuständig erklärten jugendamtsvertreter.
unser konzept kam wohl an, jedoch mochte man an oberer stelle
nicht mit „besetzern“ reden. unterstützer
aus verschiedenen stadtratsfraktionen legten gute worte
für uns ein. erstmal sollten wir bis ende der woche
das haus aufgeben, dann würde man weitersehen.
viele von uns wussten nicht, ob wir das
glauben sollten oder nicht, ob der abbruch der besetzung
eine wirkliche chance bedeutete oder das ende. nach heftigen
diskussionen, bei denen sich abzeichnete, dass einer menge
von leuten etwas an diesem projekt lag, wollten wir erst
mit der stadt annehmbare perspektiven diskutieren, bevor
wir alle wieder auf der straße stehen mit unseren
unverwirklichten ideen. nachdem mehrere ausweichobjekte
als nicht geeignet (lage, zustand) verworfen wurden, kamen
wir überein, dass unsere projekte in der reilstraße
78 doch am besten aufgehoben wären. jedoch das ultimatum
für ende der woche stand.
nun mussten wir über einen konkreten
vertrag reden, vor allem erstmal untereinander (plenum plenum).
wie viel unserer freiheit geben wir ab, wenn wir uns auf
einen vertrag mit der stadt einlassen? war es überhaupt
schon ein fehler mit der stadt zu reden? die angst vor vereinnahmung
schreckte manche ab und die finanziellen perspektiven eines
projektes mit vertrag erst recht. auch wollte die stadt
nur mit einem verein über die nutzung des geländes
reden, so dass sich die „initiative reilstrasze 78“
zu „KubultubuRebell e.V.“ gruppieren musste.
die diskussionen waren kontrovers, dass
angebot jedoch nicht mehr wirklich unakzeptabel. wir hatten
nicht mehr wirklich eine wahl und vielleicht liegt es an
uns selbst, wie viel wir uns –trotz vertrag- von der
stadt oder vom überhaupt irgendwem vorschreiben lassen.
es gab dann wohl bei den beteiligten genug optimismus für
den gesetzlich geregelten neustart, so dass es nach dem
vorübergehenden auszug und einem monat voller abwarten
und zweifel zur vertragsunterzeichnung kam.
nachdem der vertrag mit der stadt abgeschlossen
war, kamen schon bald gruppen/vereine und einzelpersonen
in die reil 78, um sich zu verwirklichen. anfangs kam es
auch zu auseinandersetzungen, da einige unseren anspruch
eines unkommerziellen, antirassistischen, antifaschistischen
und antisexistische projektes nicht teilen konnten. im laufe
der zeit konnten verschiedene projekte im haus ihren platz
finden, freiräume besetzen, ideen verwirklichen und
sich mehr oder weniger in das projekt integrieren. es finden
regelmäßig konzerte und partys statt, im keller
proben in fünf proberäumen bands und es treffen
sich verschiedene sport- und trommelgruppen. vor allem die
aktionstheatergruppe und die jugendantifa stellen im moment
einen festen Bestandteil des Projektes dar.
wir entscheiden basisdemokratisch (konsensprinzip) im wöchentlich
stattfindenden plenum über alle mit dem projekt zusammenhängenden
vorhaben. also bei interesse einfach vorbeikommen.
eine selbstreflexion nach 7 jahren des projektes kann hier
nachgelesen werden.
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