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7 JAHRE REIL 78- und immer noch mehr als nur Party
- Selbstreflexion
hinzugefügt am 21.3.2009
VORWORT
7 Jahre Reilstraße 78, das ist ein Grund zu feiern. Das nehmen
wir aber auch zum Anlass, um einmal richtig über all das nachzudenken
was hier in den letzten Jahren gelaufen bzw. nicht gelaufen ist um eine
Art Zwischenbilanz zu ziehen. Was waren die einschneidenden Ereignisse?
Was ist geblieben, was hat sich verändert? Wie wurden die Ansprüche
der Anfangszeit umgesetzt, entsorgt, neu formuliert, etc..? Was wurde
überhaupt gemacht? Wie funktionierte die Organisations- und Entscheidungsstruktur?
Wie war die Außenwirkung? Um all das und noch mehr geht es in
diesem Heft.
ENTSTEHUNG UND KONZEPT
Da inzwischen schon sieben Jahre seit der Besetzung vergangen sind,
passiert es doch häufig, dass Leute, die regelmäßig
auf dem Gelände verkehren (z.B. Konzert-/ PartybesucherInnen aber
auch ProberaumnutzerInnen) sich nicht darüber im Klaren sind, was
das eigentlich für ein Gelände ist, auf dem sie sich da gerade
befinden. Weder wissen sie etwas über seine Entstehung, noch über
seine Zielsetzungen und Ansprüche. Deshalb hier erst einmal in
Kurzform die Entstehungsgeschichte und das Konzept. Wer dabei war oder
eh schon alles weiß, springt halt einfach zum nächsten Punkt.
Das Projekt begann am 16.06.01 mit der Besetzung des ehemaligen Kinderheimes
in der Reilstraße 78 gegenüber dem Zoo in Halle. Es sollte
ein subkulturelles soziales und politisches Zentrum in Halle geschaffen
werden, in dem sich Menschen mit den verschiedensten Ideen treffen können
um ihre Vorstellungen von einem selbstverwalteten, selbstgestalteten
und unkommerziellen Freiraum auszuleben. Aus den Erfahrungen vieler
und dem politischen Verständnis einiger erschien eine Hausbesetzung
das geeignete Mittel zu sein das Projekt umzusetzen. Zum einen war die
Hausbesetzung eine Möglichkeit das Anliegen nach außen zu
tragen, zum anderen war die Reilstraße 78 ganz konkret ein Ort
an dem man aufgrund der Lage und Größe ein solches Projekt
umsetzen konnte. Das Haus stand seit 4 Jahren leer und drohte zu verfallen.
Das eine Hausbesetzung im Jahre 2001 anders umgesetzt werden muss als
noch in den 80ern war jedem klar. So war die Besetzung ein Akt des zivilen
Ungehorsams um unser politisches Anliegen gegenüber der Gesellschaft
zu demonstrieren.
In der ersten Woche gab es erste Veranstaltungen, darunter eine Besetzungsparty,
zu der ungefähr 400 Menschen kamen. Die meiste Zeit in den Anfangstagen
ging mit Plena drauf, denn Basisdemokratie war nicht nur das Ziel, sondern
auch der Weg. Der Stadt wurde ein Fax geschickt, in dem über das
Entstehen des neuen Zentrums informiert und gleichzeitig zu einem Gespräch
eingeladen wurde. Erste Verhandlungen mit der Stadt führten dazu,
dass uns ein Ultimatum zur Räumung des Geländes bis Freitag
12 Uhr gestellt wurde. Andererseits wurde am nächsten Tag die Chance
auf einen Besuch der Stadtverordnetenversammlung genutzt. Dort wurde
das neue Zentrum thematisiert, wobei klare Bekenntnisse zu unserem Projekt
und zum Ultimatum eingefordert wurden. Das veranlasste wohlgesonnene
ParlamentarierInnen sich von nun an für das Projekt einzusetzen.
Die Stadt bot nun zwei wesentlich kleinere und am Rand der Stadt gelegene
Objekte an, unter der Bedingung, dass das Gelände bis Freitag 12
Uhr geräumt ist, ansonsten würden die Verhandlungen mit uns
abgebrochen. Dies löste im Plenum sehr kontroverse Diskussionen
aus, ob Freitag 12 Uhr geräumt und verhandelt oder das Ultimatum
ignoriert wird. Da die Ausweichobjekte inakzeptabel waren, wurde beschlossen
nur über das bereits besetzte Objekt, Reilstraße 78, zu reden.
Die Stadtverwaltung sah nun ein, dass das Nutzungskonzept nur auf diesem
Gelände und in dieser Stadtlage zu verwirklichen war, hielt aber
an dem Ultimatum fest und eröffnete uns Gesprächsbereitschaft
in Bezug auf die Nutzung des Geländes, wenn doch geräumt würde.
Eine Stunde vor Verstreichen des Ultimatums fand in der Reilstraße
78 ein weiteres Treffen mit UnterstützerInnen des Projektes statt,
welche sich bei der Stadt einsetzten, woraufhin diese ein neues Angebot
übermittelte: Würde bis Sonntag geräumt und eine juristische
Person (Verein) benannt werden, würde die Stadt einen Nutzungsvertrag
mit diesem abschließen. Plenum, Plenum, Plenum und es wurde sich
entschieden das Haus zu räumen, da das Angebot der Stadt plausibel
erschien. Zwei Wochen später wurde ein Nutzungsvertrag abgeschlossen
und somit war der Weg frei die Idee eines selbstverwalteten, selbstgestalteten
und unkommerziellen Freiraums umzusetzen.
Wie aber sah diese Idee eigentlich aus?
In dem Heft Hurra wir leben noch - 1 Jahr Reilstraße 78
vom 16. Juni 2001 wurde das Ganze so formuliert:
wir wollen einen treff- und anlaufpunkt bieten für gruppen
und personen, deren belange in einer zunehmend neoliberalen und leitkulturellen
deutschen gesellschaft nur unzureichend berücksichtigt werden.
wir wollen ein zentrum schaffen, in dem es möglich ist mit wenig
geld seine freizeit sinnvoll zu verbringen. wir wollen der vorherrschenden
gesellschaftlichen langeweile eigene soziale politische und subkulturelle
projekte entgegensetzen. wir wollen ein subkulturelles, soziales und
politisches zentrum und keine vereinzelten und unzureichenden anlaufpunkte
für unsere aktivitäten. seit ca. 4 jahren steht das ehemalige
kinderheim reilstraße 78 leer und verfällt langsam. es bietet
platz für die verschiedensten projekte und aktivitäten. die
räume eignen sich für konzerte / partys ebenso wie für
seminare. die anzahl der räume lässt eine zusammenarbeit zwischen
verschiedenen gruppen und projekten zu. das gelände bietet die
möglichkeit zu sportlicher betätigung. wir wollen das haus
instand setzen und einrichten sowie das gelände nutzbar machen.
wir bieten einen anlaufpunkt für alle und die möglichkeit,
sich freiwillig und gemeinnützig sinnvoll zu betätigen.
wir wollen eine jugendfreizeit fördern, die sich nicht am kommerziellen
angebot der jugendindustrie orientiert, sondern eigene ideen verwirklichen
will. wir wollen keine vorgegebenen angebote konsumieren, sondern unsere
freizeit aktiv selbst gestalten. wir wollen dabei nicht abhängig
sein von unserem geldbeutel oder dem unserer eltern. wir bieten konzerte
& discos für wenig geld. wir bieten die möglichkeit und
die räume eigene partys zu feiern. wir bieten platz für fuß-
und basketballspiel sowie für tischtennis für die sportliche
betätigung unabhängig von platzwart und hallenzeiten.
wir wollen begegnung mit menschen anderer länder und kulturen,
nicht nur mit denen der ersten welt. Wir wollen anlaufpunkt sein für
menschen anderer kulturen und ihnen dabei helfen sich in deutschland
zurechtzufinden. Wir wollen selbstverständlichen und alltäglichen
umgang mit menschen anderer länder bei gemeinsamer freizeitgestaltung
und keine verordneten multikultifeste. Wir bieten beratung, hilfe und
deutsch-sprachkurse. wir bieten ausländischen mitmenschen raum
für selbstorganisierte begegnung. wir bieten raum für begegnung
miteinander sowie für informationsvorträge und gemeinsame
veranstaltungen.
wir wollen eine subkultur, in der selbstverwirklichung und die kreative
idee im mittelpunkt stehen und nicht kommerzielle zwänge. wir wollen
eine subkultur, die gesellschaftliche gegebenheiten mit einbezieht und
nicht fernab gesellschaftlicher probleme versucht, finanziellen ansprüchen
gerecht zu werden. wir bieten auftrittsmöglichkeiten für junge
bands und djs. wir bieten außerdem räume für ausstellungen
junger künstler, für theater und performances, lesungen sowie
für bandproben.
wir wollen nicht nur das lernen, was schule und andere institutionen
uns vorgeben. Wir wollen informationen zu politischen themen, die uns
interessieren und uns über gesellschaftliche gegebenheiten austauschen
und diskutieren. wir bieten seminare, vorträge, workshops sowie
sprachkurse und diskussionsveranstaltungen.
wir wollen unsere kinder nicht allein in familie und den ihnen zugewiesenen
räumen aufwachsen lassen. wir wollen, dass unsere kinder mit den
verschiedensten menschen und kulturen selbstverständlich umzugehen
lernen. wir wollen, dass die überbleibsel des kinderheims (klettergerüste
und sandkasten) wieder von kindern genutzt werden. wir bieten bei bedarf
raum für selbstorganisierte kinderbetreuung.
wir sind ein offenes und gemeinnütziges projekt, das allen wohlwollenden
und interessierten mitmenschen offen steht. das projekt begreift sich
als basisdemokratisch, entscheidungen werden von einem plenum per konsensprinzip
getroffen und durch sprecherInnen nach außen vertreten. das projekt
wirtschaftet nicht gewinnorientiert, die erlöse dienen der kostendeckung
zum erhalt des projektes. das projekt ist selbstorganisiert und selbstgestaltet.
Außer diesem Statement gibt es auch noch die offizielle Konzeption,
die nötig war um den Verein zu gründen und den Nutzungsvertrag
abzuschließen. Dieser Text drückt grundsätzlich das
Gleiche aus, ist aber, da er für Institutionen geschrieben wurde
und deshalb eine bestimmte Wirkung erzielen sollte, etwas weitschweifiger
und sozialpädagogisch orientierter geschrieben. Dennoch werden
wir bei der Behandlung bestimmter Punkte, zu denen die Konzeption einen
Bezug hat, auch aus diesem Text zitieren.
AUF WIEDERSEHEN, LEBE WOHL, UND TSCHÜSS
ein kurzer Abriss von dem, was hier in den letzten sieben Jahren gegangen
ist
Wie die Überschrift bereits andeutet, waren die vergangenen sieben
Jahre geprägt von Auseinandersetzungen, die auch zu Abschieden
und Brüchen geführt haben. Diese Brüche haben allerdings
nicht nur zu einer Verringerung der Anzahl der am Projekt Beteiligten
geführt, sondern auch zu einer unfreiwilligen Veränderung
der gesamten Projektstruktur, aber dazu später.
Was für das erste Jahr erwähnenswert ist, kann alles in dem
bereits erwähnten Heft Hurra wir leben noch - 1 Jahr Reilstraße
78, welches ihr in unserem Archiv findet, ausführlich nachgelesen
werden. Zur Erinnerung seien für diese Zeit noch einmal die wichtigsten
Dinge erwähnt. Das waren zum Einen allgemein die Auseinandersetzungen
mit der Stadt bzw. mit diversen Fraktionen im Stadtrat um das Hausprojekt
an sich bzw. um Aktionen, die (angeblich) vom gesamten Projekt ausgingen
(Machetenmann wir grüßen dich!). Der entscheidende Bruch
fand dabei bereits ganz am Anfang, mit der Entscheidung sich überhaupt
mit der Stadt einzulassen, statt, woraufhin einige politisch Engagierte
bereits zu diesem Zeitpunkt dem Projekt enttäuscht den Rücken
kehrten. Zum Anderen waren das Probleme mit Leuten, die offensichtlich
nicht verstanden hatten worum es in diesem Projekt geht, wie z.B. mit
einigen Punks, deren Aktivitäten sich auf saufen, kaputtmachen
und vollmüllen beschränkten, wie z.B. mit "unserer ganz
persönlichen Stalinistin", die wohl nicht verstanden hat,
dass Josef Stalin eher nicht so viel mit Basisdemokratie, Subkultur
und freier politischer Diskussion zu tun hat und wie z.B. mit dem Vereinsvorsitzenden
des "Vereins zur Förderung junger Musiker", der wohl
etwas überfordert von den Ansprüchen des Projektes war, der
nicht klar damit kam, dass sich das Verhältnis seines Vereins zum
Projekt nicht durch ein kommerzielles Mieter-Vermieter-Verhältnis
beschreiben ließ, der sein Büro mit Videokamera sicherte
und der sich Frauen gegenüber wie der letzte Assi benahm. Letztendlich
lösten sich all diese Problem mit einem "Und Tschüß",
indem sich "unsere persönliche Stalinistin" mit einem
beleidigten Brief verabschiedete und dem "Verein zur Förderung
junger Musiker" gekündigt wurde. Punks suchten auch weiterhin
das Gelände auf, wogegen an sich auch niemand etwas hatte. Leider
fielen aber immer wieder Einzelpersonen durch aggressives Verhalten,
Zerstörung oder das Tragen heidnisch-germanischer Kultsymbole auf,
weshalb wir uns gezwungen sahen das eine oder andere Hausverbot zu erteilen
und auch durchzusetzen. Die Kumpel der Betroffenen solidarisierten sich
zumeist und blieben dem Haus ebenfalls fern, denn mit dem "Hippiehaus"
wollten sie ja eh nichts mehr zu tun haben. So zeigte sich von Anfang
an, dass die Endkonsequenz von Konflikten zumeist die freiwillige oder
unfreiwillige Trennung vom Projekt war, wobei letzteres ganz im Sinne
der Konzeption geschah, die besagte:
Es gibt für die Besucher des Projektes Reilstrasse 78 weder
eine Altersbegrenzung, noch eine Zielgruppenorientierung im engeren
Sinn. D.h. jede/r, der/die Interesse besitzt in einen Austausch auf
kultureller, sozialer, politischer oder alltagsorientierter Ebene zu
treten, ist eingeladen sich in diesem Projekt zu verwirklichen. Aus
einem inneren Anspruch heraus werden dennoch Personen vom Projekt ausgeschlossen,
die rassistisch, faschistisch oder sexistisch interagieren und den Gedanken
der Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit nicht mittragen.
Nach einigen Jahren besuchen inzwischen doch wieder einige Punks die
eine oder andere Veranstaltung, was wir begrüßen, da sich
daraus auch kaum noch Konflikte ergeben und da wir Punk an sich auf
gar keinen Fall ablehnen.
Ein stark einschneidendes Ereignis war der Kneipenumbau von der 1. Etage
ins Erdgeschoss im April 2004. Vorausgegangen waren heftige Diskussionen,
da man nach reichlich 2einhalb Jahren die ersten Stagnationserscheinungen
wirklich nicht mehr ignorieren konnte. Inzwischen hatten weitere aktive
Menschen, teils aus Enttäuschung und Resignation, teils aus privaten
Gründen, das Projekt verlassen, so dass der eigentliche Kern, der
alles am Leben erhielt, erheblich geschrumpft war. Es kristallisierten
sich dabei drei Hauptprobleme heraus, über die aufgrund ihrer Wichtigkeit
später noch einmal gesondert gesprochen wird. Zum einen war das
der Widerspruch zwischen den aktiven organisierenden Leuten mit Anspruch
und den nur konsumierenden, tlw. auf alles scheißenden Gästen.
Weiterhin kam es immer mehr zu Konflikten zwischen den Leuten, die regelmäßig
im Projekt anwesend waren und so auch ab und zu dort übernachteten
und den Leuten die sich zwar regelmäßig aktiv einbrachten,
aber nie im Haus schliefen und somit auch nicht an jeder spontanen Aktion
oder Entscheidung beteiligt waren. Zum anderen stellte sich heraus,
dass es unterschiedliche Vorstellungen von Basisdemokratie und Konsensprinzip
gab. So kam es, nachdem wir geprüft hatten ob wir uns das finanziell
überhaupt leisten können, dazu, dass wir das Haus einen Monat
für Veranstaltungen dicht machten, um uns noch einmal ausgiebig
mit dem Woher, dem Wohin und dem Wie zu beschäftigen und auch um
einige Veränderungen am Haus vorzunehmen (siehe flyer "kein
april scherz"). Die Grundgefühle waren dabei: "Die Luft
ist raus" und "so kann´s nicht weitergehen, es muss
sich etwas ändern". Betrachtet man im Nachhinein was in besagtem
Monat passiert ist, muss man leider feststellen, dass sich fast alle
Energie und aller Veränderungswille auf den Umbau der Kneipe beschränkten.
Über das Gesamtprojekt wurde inhaltlich nicht oder nur am Rande
gesprochen, dafür beschäftigten sich stundenlange Plena mit
den Fragen, ob überhaupt umgebaut wird, was verändert wird,
was neu entstehen soll und wo der Kicker hinkommt. Die Diskussionskultur
war wie schon so oft sehr schlecht und private Abneigungen wurden ungehindert
auf das diskutierte Problem übertragen. UmbaugegnerInnen betonten
die Unsinnigkeit eines Kneipenumbaus, wo sich doch der Raum in der 1.
Etage bewährt hatte und meinten auch nicht zu Unrecht, dass gerade
wichtigere Dinge anlägen, wie z.B. die politische Arbeit bzw. die
innere Auseinandersetzung des Projektes mit seinen Ansprüchen.
Bei den UmbaubefürworterInnen überwog eindeutig der Veränderungsdrang,
der sich leider nur auf bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit
der Verbesserung der Organisationsstruktur bezog.
Der Umbau wurde dann schließlich nach wochenlangen sich im Kreise
drehenden Diskussionen auch durchgeführt, indem ohne einen Konsensbeschluss
des Plenums einfach begonnen wurde zu bauen. Das Ergebnis des Umbaus
war folgendes: Der Kneipenraum wurde ins Erdgeschoss verlagert, was
die Trennung von Kneipe und Konzertraum aufhob. Vorteil davon war, dass
sich das Party- bzw. Konzertgeschehen nur noch an einem Punkt konzentrierte.
Während die Leute früher für jedes Getränk erst
lange Wege zurücklegen mussten und die Party oft in zwei Teile
zerfiel, was gerade unangenehm ins Auge fiel, wenn nicht so viele Gäste
anwesend waren, befand sich jetzt alles kompakt in einem Teil des Hauses.
Ein weiterer Vorteil war, dass nun die gesamte Veranstaltung besser
überblickt werden konnte. Es war wiederholt zu gewalttätigen
Ausschreitungen und Zerstörungen gekommen, auch weil sich die Veranstaltungen
auf zwei Etagen verteilten. War Mensch gerade oben, war unten die Bahn
frei für sinnlose Zerstörungswut und umgekehrt. Jetzt hatten
wir von der Bar aus den Eingang im Blick und konnten zudem noch steuern
wer überhaupt in die nächste Etage konnte und wer nicht. Mit
der Bar wurde auch das Getränkelager ins Erdgeschoss verlagert,
was zu einer erheblichen Erleichterung geführt hat, da wir unsere
Getränke aus finanziellen Gründen selbst einkaufen und transportieren.
Die Getränkekästen mussten jetzt nur noch bis ins Erdgeschoss
und nicht mehr in die 1. Etage getragen werden und alle die einmal bei
so einer Ausladeaktion mitgemacht hatten, wussten sehr wohl zu schätzen,
dass man nun nur noch 13 statt 40 Stufen mit jedem Kasten zurücklegen
musste. Der Bandpennraum wurde aus dem Erdgeschoss nach oben verlagert,
so dass die Bands jetzt, im Gegensatz zu vorher, einen ruhigen Rückzugsraum
nutzen konnten. Der ehemalige große Kneipenraum wurde zu einem
Multifunktionsraum in dem jetzt die Aktionstheatergruppe probte, verschiedene
Selbstverteidigungsgruppen übten und Vorträge, Infoveranstaltungen
und Lesungen stattfanden. Der Infoladen im Erdgeschoss musste der Kneipe
weichen, verblieb aber im Erdgeschoss, so dass es weiterhin möglich
war die Gäste zu erreichen. Zusätzlich entstand in der 1.Etage
ein Archiv mit politischen Zeitschriften und Infomaterial, das von nun
an politischen Gruppen als Treffpunkt und Arbeitsplatz zur Verfügung
stand.
Neben all diesen positiven gab es aber auch negative Auswirkungen. Aufgrund
der vielen Dispute im Rahmen des Kneipenumbaus kam es zu einigen Zerwürfnissen,
so dass wieder einmal Leute dem Projekt Lebe Wohl sagten oder sich Schritt
für Schritt daraus zurückzogen. Weiterhin kam es zu dem für
viele bis heute verwunderlichen Effekt, dass der wöchentliche Kneipenbetrieb
nach der Umbaupause, an die sich dann sogleich die Sommerpause anschloss,
nie wieder so richtig zum Laufen kam. Ob das nur an der langen Pause
und an den inneren Zerwürfnissen aufgrund des Umbaus lag oder ob
der neue Kneipenraum, der bis heute von einigen als kalt und uneinladend
empfunden wird, schlicht nicht angenommen wurde, ist bis jetzt vielen
unklar. Fakt ist aber, dass der gemütliche große Kneipenraum
in der 1. Etage bis heute von vielen vermisst wird.
Den nächsten bedeutenden Bruch könnte man unter das Motto
stellen: antideutsch oder nicht. Von Anfang an waren in das Projekt
verschiedene politische Gruppen integriert. Einige, die auch bei der
Entstehung des Projektes mitgewirkt hatten, arbeiteten in Gruppen mit,
die sich selbst als antideutsch bezeichneten oder dieser politischen
Ausrichtung sehr nahe standen, so dass der Konflikt zwischen antideutschen
und antiimperialistischen Gruppen ins Projekt hineingetragen und auch
dort ausgetragen wurde. Nun gab es zwar innerhalb der Reil78 kaum Personen
des typischen antiimperialistischen Blockes, die sich aktiv eingebracht
hätten, ganz im Gegenteil: die Mehrheit der nicht-antideutschen
Personen hier im Haus würde sich bis heute als zwischen bzw. außerhalb
der genannten Positionen stehend betrachten. Zwar begrüßten
hier alle eine Initiative die sich gegen die deutschen Zustände
richtet. Die provokant formulierten Thesen und Schlussfolgerungen, die
die Referenten der von der Gruppe "no tears for krauts" organisierten
Veranstaltungen vortrugen, konnten dennoch von fast keiner der regelmäßig
am Plenum teilnehmenden Personen geteilt werden. Es gab durchaus Zustimmung
in Bezug auf die Analysen, dass es abzulehnende Entwicklungen wie Antisemitismus,
Holocaustrelativierungen und Verspiesserung bis hin zur Verdummung innerhalb
einer so genannten Linken, bestimmten politischen Bewegungen und diversen
Subkulturen gab und gibt. Damit, dass die gesamte Linke einer "Blut
und Boden"- Ideologie anhinge und dass Punk durchweg verspiessert,
unpolitisch, deutsch oder antiamerikanisch sei (wobei sich stellvertretend
auf das Fanzine plastic bomb bezogen wurde, das heutzutage kaum noch
ein Punk liest), konnte niemand mehr mitgehen. Und dass Tierschutz aufgrund
seiner Tradition reiner Faschismus sei, klang für viele so logisch,
wie die These, die man im Umkehrschluss aufstellen könnte: dass
Antideutsche, aufgrund ihrer Herkunft aus der von ihnen kritisierten
Linken, durchweg antisemitisch wären. Die Diskussionen um die Veranstaltungen
der Gruppe no tears for krauts gipfelten schließlich
darin, dass von der Gruppe verlangt wurde den Inhalt ihrer Veranstaltungen
beim Plenum vorzustellen, damit dieses entscheiden könne ob eine
Veranstaltung zu diesem Thema in den Räumen des Projektes erwünscht
ist oder nicht. Weiterhin entschied das Plenum, dass es nicht weiter
gewillt ist, der Gruppe no tears for krauts einen Anteil
am so genannten Antifacent zu gewähren (näheres zum Antifacent
im Abschnitt Politik). Somit fand das erste Mal in der Geschichte
des Projektes eine Zensur statt, die nichts mehr mit politischem Meinungsaustausch
zu tun hatte und deshalb auch letztendlich zum Fernbleiben der Gruppe
no tears for krauts führte.
Doch nicht nur eigene Konflikte wurden im Projekt ausgetragen. Der Konflikt
zwischen antideutscher und antiimperialistischer Fraktion eskalierte
völlig bei einer Party, die die Gruppe AgitPop aus
Anlass des alljährlichen Antifa-Fußballturniers organisierte.
Das Anliegen dieser Gruppe war es Kulturveranstaltungen zu organisieren
um auf diesen zu agitieren. Das Thema ihrer Flugblätter war diesmal
der Fußballclub Roter Stern Halle, der sich u.a. Kritik in Bezug
auf die Nichtumsetzung seiner Satzung und homophobe und rassistische
Äußerungen seiner Fans gefallen lassen musste. Fans des Roten
Sterns, fühlten sich provoziert und es kam zu lauten verbalen Auseinandersetzungen
zwischen AgitPop und Personen aus dem G.i.G-Umfeld, die kurz vor der
Eskalation standen. AgitPop fühlte sich bedroht, erschien zum nächsten
Plenum und forderte eine konsequente Stellungnahme von der Reilstraße.
Im Laufe der mehrwöchigen Diskussionen kam es zu einigen Hausverboten
für Leute aus dem G.i.G.-Roter-Stern-Umfeld. Eine Folge davon war,
dass Leute aus diesen Zusammenhängen, die die Reil78 vorher z.B.
bei Jahresfesten noch unterstützt hatten, ihre Unterstützung
gegenüber der Reilstraße völlig einstellten und deren
Veranstaltungen boykottierten. Nachdem der Konflikt einigermaßen
abgeflaut war, wurden die Hausverbote wieder aufgehoben, was zu einer
Vergrößerung der Distanz zwischen antideutschen Gruppierungen
und dem Projekt führte, da diese nun die unterschiedliche Konsequenz
gegenüber Leuten, die man persönlich kennt, und Leuten, die
einem egal sind, kritisierte.
Der Vorgang des sich Verabschiedens fand noch des Öfteren seine
Fortsetzung, nicht nur aus Enttäuschung oder Resignation. Bei der/dem
Einen war Zeitmangel der Grund bei der/dem Anderen schlicht ein Umzug,
so dass auch so manches Auf Wiedersehen zu hören war. Dies ist
auch dem Umstand geschuldet, dass im Projekt lange die zugezogenen Personen,
die sich in Halle z.B. aus Gründen des Studiums aufhielten, gegenüber
den gebürtigen Hallensern überwogen. Das beständige Dazukommen
und Verlassen von Personen brachte zwar immer wieder frischen Wind mit,
führte aber im Umkehrschluss auch immer wieder zum Wegbrechen von
aktiven Personen, die nach Beendigung ihres Studiums woanders hinzogen.
Fakt ist dabei, dass die Anzahl derer, die sich aktiv am Projekt beteiligten,
immer weiter sank.
Bei allen geführten Auseinandersetzungen wiederholte sich eine
Konfliktkonstellation besonders häufig, die die oben erwähnten
Konflikte noch verstärkte, nämlich die von innen
und außen. Meist standen Personen, die sich sehr regelmäßig
im Haus aufhielten und auch des Öfteren dort schliefen, Personen
gegenüber, die sich zwar regelmäßig ins Projekt einbrachten,
aber eben nicht dort schliefen und somit auch nicht ganz so häufig
im Projekt anwesend waren. Letztere konnten selten an notwendigen spontanen
Entscheidungen oder Aktionen teilhaben und standen so oft vor vollendeten
Tatsachen. Erstere waren fast immer im Haus präsent und hatten
somit auch gezwungenermaßen mehr Verantwortung zu übernehmen.
Sie mussten einspringen, wenn nicht genug HelferInnen bei Veranstaltungen
da waren, sie mussten Konfliktsituationen klären und Leute, die
sich nicht benehmen konnten rauswerfen, sie machten all die Dinge, die
auf dem Plenum zu klären vergessen wurden und sie mussten anpacken,
wenn gerade mal wieder was kaputtgegangen war (hallo Wasserrohrbruch)
egal ob sie gerade Lust oder Zeit hatten. Klar ist auch, dass es einfacher
ist aus dem Bett die Treppe runter zum Plenum oder zum Arbeitseinsatz
zu fallen, als 2-3 km mit dem Rad bei Wind und Wetter zur Reilstraße
zu fahren. Das alles wäre kein Problem gewesen, wenn nicht die
öfter Anwesenden die Wichtigkeit ihrer Präsenz überbetont
hätten, nach dem Motto: Wer viel macht, entscheidet auch
viel und wie was gemacht wird. Dass Leute, die auch ab und an
im Projekt schlafen Privilegien genießen, indem sie z.B. kostenlos
alle Veranstaltungen besuchen dürfen, unabhängig davon ob
sie an deren Organisation beteiligt sind, wurde von den weniger Anwesenden
nie verstanden. Sie fühlten sich übergangen oder sogar ausgeschlossen,
was auch hier wieder zum Verlassen des Projektes geführt hat.
Dass diese Vorgänge auch Auswirkungen auf die Entscheidungsstruktur
hatten, liegt auf der Hand.
ORGANISATIONS- UND ENTSCHEIDUNGSSTRUKTUR
Wie es sein sollte und wie es wirklich aussieht
Wie die Organisation des Projektes aussehen sollte, beschreibt am besten
das folgende Zitat aus unserer Konzeption:
Das Projekt ist selbstorganisiert und selbstverwaltet. Es entsteht
in Basisarbeit, d.h. von Anfang an in Gemeinschaft mit allen Interessierten
und Suchenden. Diese Konzeption versteht sich als Entwurf, der durch
die Bedürfnisse der Besucher bestimmt wird und somit Modifizierungen
unterliegt. Es soll ein dynamisches, gemeinschaftsorientiertes und dennoch
individuelles Projekt sein, das gemeinnützig tätig ist. Im
Vordergrund aller Aktivitäten steht die Selbstbeteiligung jedes
Einzelnen.
Der Idealzustand sieht dabei so aus, dass alle Gruppen und Personen
die das Projekt nutzen, sich selbstverständlich an dessen Aufrechterhaltung
beteiligen.
Das Organisations- und Entscheidungsinstrument sollte das Plenum sein,
auf dem per Konsensprinzip entschieden werden soll. Einmal in der Woche
(Montags, 19.30 Uhr) treffen sich alle Menschen/Gruppen um über
alle Belange des Projektes zu sprechen. Das heißt sie organisieren,
verwalten, beraten und entscheiden gemeinsam. Eine wichtige Voraussetzung
für basisdemokratische Entscheidungen ist dabei die Anwesenheit,
so dass von allen am Projekt beteiligten Gruppen, egal welcher Art,
zumindest ein/e Vertreter/in anwesend sein sollte.
Wird das mit der Realität verglichen, muss festgestellt werden,
dass das Projekt immer noch selbstorganisiert und selbstverwaltet arbeitet.
Alle Interessierten versuchen die anstehenden Probleme gemeinschaftlich
zu lösen. Aufgrund der bereits erwähnten vielen Brüche
die es gab, vor allem auch wegen dem beschriebenen Problem zwischen
innen und außen, beschränkt sich
der Kreis der Interessierten aber inzwischen fast ausschließlich
auf diejenigen, die sich sehr regelmäßig im Haus aufhalten
und auch des Öfteren dort schlafen. Gruppen und Personen die das
Projekt nutzen, beteiligen sich kaum bis gar nicht an dessen Aufrechterhaltung.
So entstand im Laufe der Jahre die paradoxe Situation, dass diejenigen,
die sich noch am Plenum beteiligen zu einer Art Dienstleister mutiert
sind für diejenigen, die in den Räumen der Reil78 ihre Projekte
verwirklichen. Das heißt im Klartext: die Leute, die sich sehr
regelmäßig im Haus aufhalten um auch ab und an dort zu schlafen,
erhalten das Projekt aufrecht, indem sie den Kontakt zu den entsprechenden
Behörden halten, Tresen machen, das Haus sauber und instand halten,
also allgemein alles organisatorische tun, damit das Projekt funktionieren
kann. Alle anderen Gruppen (politische Gruppen, Antifa, Sportgruppen,
Theatergruppe und Partyveranstalter) nutzen zwar die Räumlichkeiten
kostenlos, beteiligen sich aber kaum an der Projektstruktur, was dann
im Klartext bedeutet, dass sie im Gesamtprojekt weder mitarbeiten, noch
mitbestimmen. Besonders krass gestaltet sich das Verhältnis zu
den ProberaumnutzerInnen, die offenbar glauben von jeglicher Teilnahme
an den notwendigen Projektaktivitäten befreit zu sein, weil sie
für die Nutzung ihres Proberaums Geld spenden. Vielmals weiß
man gar nicht so recht wer da im Keller so ein- und ausgeht und einige
der ProberInnen sind sich nach eigenen Aussagen nicht mal bewusst was
das denn eigentlich für ein Projekt ist, in dem sie sich da gerade
aufhalten und was in den anderen Etagen so alles läuft.
Ein weiteres Problem bei der Entscheidungsfindung ist, dass auch Entscheidungen
spontan gefällt werden müssen. Oft bleibt keine Zeit bis zum
nächsten Montag zu warten, so dass Einzelpersonen nach eigenem
Ermessen entscheiden. Beim nächsten Plenum ist dann manchmal die
Überraschung groß, da sich aber diese Vorgehensweise nicht
vermeiden lässt, wurde sie bisher von allen toleriert. Anders liegt
der Fall allerdings, wenn die Entscheidung Zeit hat, aber trotzdem im
Laufe einer Diskussion von mehreren Einzelpersonen Entscheidungen getroffen
werden, über die das Plenum im besten Falle informiert wird. Leider
kommt das dann doch ab und zu einmal vor, was wohl auch an der inzwischen
sehr überschaubaren Anzahl an EntscheidungsträgerInnen liegt.
Auch Leute von außerhalb gehen mit ihren Problemen nicht immer
auf´s Plenum, sondern wenden sich an Personen, die in ihren Augen
im Projekt etwas zu sagen haben. Damit projizieren sie eine Hierarchie
ins Projekt hinein, die gar nicht existiert bzw. nicht existieren sollte.
Die Diskussionskultur auf dem Plenum lässt oft sehr zu wünschen
übrig. Privatkonflikte werden auf diskutierte Probleme übertragen,
Mensch lässt sich nicht ausreden oder verlässt mitten in der
Diskussion eingeschnappt den Raum und manche/r denkt: wer am lautesten
spricht, hat recht. Seltsamerweise nähert sich die Diskussionskultur,
wenn wirklich wichtige und existenzielle Dinge anliegen, dann doch wieder
dem angestrebten Ideal. Im anderen Fall hat sich an der Plenumskultur
seit Bestehen des Projektes nicht viel geändert. Wieder super ausgedrückt
im Heft Hurra wir leben noch 1 Jahr Reilstraße 78:
Weil wir keine Chefs wollen, alles Engagement ehrenamtlich ist
und wir uns als offene Initiative betrachten, ist immer montags im Gastraum
Plenum. Vor allem dient es unserer Entscheidungsfindung, indem, anders
als beim parlamentarischen Demokratismus, jeder Einzelne ein Problem
aufwerfen und jeder dazu seine Meinung sagen kann. Manchmal muss (soll!)
auch diskutiert (oder gestritten) werden, um auf ein Ergebnis zu kommen,
mit dem alle einverstanden sind. Auf dem Plenum werden auch Informationen
ausgetauscht und Anfragen gestellt und beantwortet. Nicht zuletzt muss
es einen festen Termin geben, an dem alle Engagierten, Interessierten
und Freiwilligen zusammentreffen, um die anliegenden Sachzwänge,
Arbeiten und Termine zu bewältigen. Und für Außenstehende
soll es der Ort sein, mit uns in Kontakt zu treten. Ein Plenum ist entspannt,
sachlich und konstruktiv. Soweit der Idealfall.
Mal sind viele beim Plenum und mal sind es wenige. Das Plenum beginnt,
wenn jemand die Stimme hebt und den Beginn des Plenums verkündet.
Was dann folgt, ist unterschiedlich. Eine Tagesordnung, bei der jeder
Anwesende zu Wort kommen kann, führt dann durch den Abend, der
je nachdem kurz oder lang wird. Das Plenum endet, wenn keiner mehr da
ist oder alle Gespräche zu stark in den informellen Teil abgeglitten
sind. Dass Basisdemokratie einfach ist, hat nie jemand ernsthaft behauptet,
und dass man auf diese Weise Haus und Projekte besser verwalten kann,
auch nicht. Wir machen es trotzdem, auch wenn es teilweise langwidrig
ist und bei Außenstehenden vielleicht nicht den verlockendsten
Eindruck hinterlässt. Manchmal ist die Diskussionskultur zu krass
und oft sind wir eigentlich zu wenige Leute für zu viele Dinge,
die es zu tun gibt. Mancher hat diesen Termin nicht immer frei und mancher
hat weder Anliegen noch Diskussionsbedarf. Da ist der Frust manchmal
größer als das Engagement und die Auseinandersetzung gleich
null. Aber nicht nur. Denn alles was in unserem Haus in einem Jahr entstand,
entstand ja auf Grundlage des Plenums. Es ist die einzige zumindest
grob funktionierende Möglichkeit unseren Informations-, Planungs-
und Diskussionsbedarf miteinander zu koordinieren, auch wenn wir der
Struktur letzte Weisheit für uns noch nicht gefunden haben. Jedoch
wollen wir keine Hierarchien, keine Bürokratie und keine Mehrheiten
durch Überstimmung der Minderheit. Und was wir gemeinsam wollen,
können wir nur gemeinsam erreichen.
Nun noch ein paar Worte zum Entscheidungsprinzip. Das Wort Konsens bringt
immer wieder bei Beteiligten die Vorstellung hervor, dass sich bei einer
Entscheidung alle Anwesenden in jedem Punkt einig sein müssen.
Das ist definitiv nicht so. Im Verlaufe der Diskussion sollte in regelmäßigen
Abständen ein Stimmungsbild gemacht werden. Das heißt, alle
äußern sich kurz darüber, worin ihre Einwände oder
Bedenken bei der anstehenden Entscheidung liegen. So ist einerseits
abzusehen, in welchen Punkten überhaupt noch Diskussionsbedarf
und in welchen bereits Übereinstimmung besteht. Andererseits ist
klar ersichtlich ob in diesem Moment bereits eine Konsens-Entscheidung
möglich ist oder nicht. Kommt es zur Abstimmung, gibt es verschiedene
Varianten der Zustimmung und der Ablehnung. Mensch kann dem Beschluss
ohne Einschränkung zustimmen, Mensch kann aber auch zustimmen und
gleichzeitig auch Bedenken äußern. Der Beschluss kann abgelehnt
werden, aber, da das Thema nicht als so wichtig empfunden wird und sich
der ablehnende Teil des Plenums stark in der Minderheit befindet und
sonst alles blockieren würde, trotzdem geäußert werden,
dass auch der gegenteilige Beschluss mitgetragen wird. Und es kann abgelehnt
und ein Veto eingelegt werden, das heißt, jemand ist konsequent
gegen den Beschluss, kann diesen überhaupt nicht mit sich vereinbaren
und verhindert somit einen Konsensbeschluss.
Die Vor- und Nachteile dieses Entscheidungsprinzips liegen auf der Hand.
Einerseits werden nie Entscheidungen einer Mehrheit über eine Minderheit
getroffen, nach dem Motto: Wer die meisten Freunde mitbringt,
hat gewonnen (ja, auch das wurde schon versucht). Andererseits
kann eine Einzelperson durch ein Veto eine Entscheidung verhindern,
so dass sich die Diskussion wochenlang im Kreis dreht und anstehende
Probleme nicht gelöst werden können. Dies führte entweder
zum Übergehen des Plenums, indem die Mehrheit den durch Veto verhinderten
Beschluss einfach umsetzt und so vollendete Tatsachen schafft (wie beim
Kneipenumbau geschehen) oder zum Gehen der Personen die ihre Interessen
auf dem Plenum nicht durchsetzen können. Meist geschah beides.
Eine weitere nervige Nebenwirkung dieses Entscheidungsprinzips war,
dass aufgrund der Offenheit des Plenums auch ab und zu Personen, die
sich zufällig das erste Mal in die Reilstraße verirrten,
intensiv mitdiskutierten, die Entscheidungsfindung extrem erschwerten
oder sogar verhinderten, um danach nie wieder aufzutauchen. Auch folgender
im Konzept verankerte Punkt spielt bei diesem Problem eine große
Rolle:
Es soll ein offenes, dynamisches Projekt sein, das durch die einzelnen
Akteure immer wieder neu bestimmt und neu definiert wird.
Zwar ist es extrem vorteilhaft, dass ein Projekt nicht starr in seiner
anfangs vorgegebenen Lage verbleibt, sondern sich Gegebenheiten anpasst
und von den Leuten geformt wird, die gerade das Projekt darstellen.
Andererseits ist es auch extrem anstrengend, wenn immer wieder bereits
durchdiskutierte Probleme neu aufgeworfen werden, bereits getroffene
Entscheidungen und erarbeitete Positionen und Vorgehensweisen in Frage
gestellt oder ignoriert werden, woraufhin immer wieder vom Urschleim
an begonnen werden muss zu diskutieren.
BESETZTES HAUS versus KUBULTUBUREBELL e.V.
Wie bereits erwähnt, war eine der grundlegendsten Entscheidungen
für das Projekt jene, sich überhaupt mit der Stadt einzulassen
und somit das Projekt auf offizielle und geregelte Beine zu stellen.
Die Konsequenzen, die diese Entscheidung nach sich ziehen würde,
waren lange niemandem bewusst. Am Anfang überwog die Freude endlich
einen Raum frei und fast ohne Zwänge nutzen zu können. Die
Aktivitäten konnten sich darauf konzentrieren das Haus in Schuss
zu bringen und es mit Leben zu füllen. Der Kontakt mit Behörden,
Verwaltungen u.ä. beschränkte sich darauf mit der Stadt zu
verhandeln, den Nutzungsvertrag zu unterzeichnen und für das Projekt
lebensnotwendige Anmeldungen von Strom, Wasser, Müll etc. zu tätigen.
Ansonsten konnte auf dem Gelände fast alles getan und gelassen
werden und zwar auf unsere eigene Art. Der Zustand ähnelte somit,
abgesehen davon, dass Miete an die Stadt gezahlt werden musste, dem
eines besetzten Hauses und es wurde frohlockt, weil sich die Bedenken
der VerhandlungsgegnerInnen nicht bestätigt hatten. Dies änderte
sich allerdings, als diverse Behörden und Institutionen an unsere
Tür klopften, mit denen niemand gerechnet hatte, die niemand hier
haben wollte und mit denen sich auch nie jemand wirklich auseinandersetzen
wollte. Als erstes kam der Jugendschutz, der sich in Anwesenheit von
Polizeibeamten auch Zutritt zur oberen Etage beschaffen wollte, was
erfolgreich verhindert wurde, weil der dort auch nichts zu suchen hat.
Nachdem wir ein aktuelleres Jugendschutzgesetz aufgehängt hatten,
war dieses Problem aber schnell geklärt. Als nächstes meldete
sich die GEMA und zwar genau im April 2004, im Monat des Kneipenumbaus.
Diese gab uns drei Wochen Zeit alle gelaufenen Veranstaltungen der letzten
drei Jahre rückwirkend anzumelden und nachzuweisen. Das hieß,
für jedes Konzert und jede Party die in dieser Zeit gelaufen waren,
mussten für jede Band und jeden DJ Musikfolgen nachgereicht werden.
Für die Bands, für die das im Nachhinein nicht mehr möglich
war und für die, die in irgendeiner Weise bei der GEMA gemeldet
waren, mussten wir insgesamt ca. 1500 Euro GEMA-Gebühren nachzahlen.
Ab jetzt musste jede Veranstaltung vorher bei der GEMA angemeldet und
im Nachhinein per Musikfolgen nachgewiesen werden. Aus prinzipiellen
Gründen, also aus dem antikommerziellen Charakter heraus, und damit
wir um die Zahlung von Geld herumkamen, wurde vom Plenum festgelegt,
dass wir keine Veranstaltungen mehr mit GEMA-Bands machen. Sollte dies
doch einmal vorkommen, mussten die jeweiligen Veranstalter finanziell
persönlich dafür gerade stehen. Ab jetzt musste sich eine
Person darum kümmern den Kontakt mit der GEMA aufrechtzuerhalten
und dafür sorgen, dass die Musikfolgen ausgefüllt werden,
was meist mehr schlecht als recht getan wurde, so dass des Öfteren
auch Geld gezahlt werden musste, weil die Musikfolgen unleserlich waren.
Im Moment beläuft sich dieser Betrag auf ca. 62 Euro pro Veranstaltung.
Als nächstes kam das Finanzamt und verlangte rückwirkend die
Umsatzsteuererklärungen für jedes Jahr, später auch noch
Erklärungen zur Körperschaftssteuer und was auch immer noch
für komisches Zeug. Auch damit musste sich wieder jemand befassen.
Eine für diese Zwecke geeignete Buchführung gab es nicht (warum
auch), Ahnung von dem Ganzen hatte auch niemand, so dass die Sache schließlich
diversen Steuerberatungsbüros überlassen wurde. Dass das Geld
gekostet hat, ist klar und addiert man dazu noch die Steuern die für
jedes Jahr fällig waren, kommt man auf die stattliche Summe von
800 Euro jährlich die dafür drauf gingen.
Einen Mega-Behördenansturm gab es dann im Februar 2006. Anlass
war eine Beschwerde wegen Schwarzarbeit beim Gewerbeaufsichtsamt, die
wohl auf Grund einer Veranstaltung in der Chaiselounge eingereicht wurde.
Es kündigten sich zu einer Begehung an:
1.Der Fachbereich für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst
um eine Brandsicherheitsschau durchzuführen.
2.Der Fachbereich Gesundheit / Veterinärwesen um eine Hygienekontrolle
durchzuführen.
3.Der Fachbereich Allgemeine Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit / Ressort
I / Team Gewerbe um unseren Gaststättenbetrieb (Bar) zu überprüfen.
4.ein eventuelles Erscheinen von Verbraucherschutz und Bauordnungsamt
wurde sich vorbehalten.
Kontrolliert werden sollten vor allem die Abfallentsorgung, Geschirr
und Gläser, sanitäre Anlagen, die Begehbarkeit bzw. das Vorhandensein
von ausreichend Notausgängen, die (kaum vorhandenen) Feuerlöscher,
die Preislisten, die Kassenbücher, der Jahresabschluss und noch
vieles mehr. Wer das Projekt ein bisschen kennt, weiß, was das
bedeutete. Der Termin wurde zunächst verschoben, um noch handeln
zu können. In der folgenden Zeit wurde, zum Glück unter Mitwirkung
vieler Außenstehender, auf Hochtouren daran gearbeitet, die Folgen
der Begehung so gering wie möglich zu halten. Die Küche wurde
entkeimt, Kühlschränke und Lebensmittel entfernt, das Haus
wurde geputzt wie noch nie, die Beleuchtung in allen Räumen wurde
instandgesetzt und die oberste Etage wurde komplett verwandelt, indem
auch dort Projekträume installiert wurden. Nach diesem Stress wurden
ganz viele Leute für das Datum der Begehung eingeladen, damit wir
auch einen guten Eindruck machten. So waren zur Begehung alle Räume
voller Leute und aus jedem Proberaum tönte die Begleitmusik zur
Kontrolle. Die Ergebnisse der Begehung, der später noch einige
Nachkontrollen folgten waren folgende: Die Hygiene hatte bis auf ein
paar Kleinigkeiten erstaunlicherweise keine Einwände (hallo Herrentoilette?).
Auch das Gewerbeaufsichtsamt war mit den Gegebenheiten und unseren Antworten
zufrieden. Ein Problem, dass sich in die Länge ziehen sollte, war
allerdings der Brandschutz. Alle ortsveränderlichen elektrischen
Geräte sollten fachmännisch überprüft und eine Fluchtwegbeschilderung
angebracht werden. Der Einbau von Zwischentüren wurde gefordert,
außerdem die Schaffung diverser zweiter Fluchtwege und das Anbringen
einer ganzen Menge TÜV-geprüfter Feuerlöscher. Die Erfüllung
all dieser Auflagen hat sich über Monate hingezogen, unzählige
Arbeitsstunden gekostet und eine nicht mehr nachvollziehbare Menge Geld
verschlungen. Es wurden Mauerdurchbrüche gemacht, Türen zugemauert
bzw. eingesetzt, Rettungsleitern geschweißt, Fenster von Gittern
befreit, Feuerlöscher gekauft und angebracht, usw., usw. ...
Das alles bedeutete eine Menge Stress und kostete enorm viel Kraft,
die an den Stellen, um die es im Projekt eigentlich ging, nämlich
bei der sozialen, kulturellen und politischen Arbeit, eindeutig fehlte.
All das macht deutlich, dass die Situation des Projektes absolut nichts
mehr mit dem eines besetzten Hauses zu tun hat. So ähnlich sich
die Ansprüche auch sein mögen: durch die Zusammenarbeit mit
der Stadt und durch die dadurch notwendige Gründung eines Vereins,
der als juristische Person für alles haftet, stießen diese
Ansprüche immer wieder an ihre Grenzen. Der Traum von absoluter
Freiheit war somit ausgeträumt.
GELD ODER LEBEN
Eng verbunden mit dieser Behördeninvasion war von Anfang an Geld.
Angefangen damit, dass wir jeden Monat eine Miete von inzwischen 596,50
Euro zahlen müssen, war jeder folgende Zusammenprall mit Behörden,
Institutionen, etc. mit der Zahlung von Geld verbunden. Auch die laufenden
Nebenkosten sind nicht zu verachten. So betrugen zum Beispiel im Jahr
2006 die monatlichen Nebenkosten für Miete, Strom, Wasser, Kohlen,
Büromaterial, Müll und Steuern ca. 1800 Euro! Dazu kamen noch
die Kosten für Telefon, Gebäudeinstandhaltung, uva.. Die einzigen
Einnahmen um diese Kosten zu begleichen, sind Spenden für die Nutzung
von Räumlichkeiten und die Einnahmen an der Bar. Eine Förderung
von staatlicher Seite bekamen wir nur einmal am Anfang, als uns Civitas
eine Konzertanlage, Computer, Drucker, Fax, Beamer, 3 Monatsmieten,
2 Kameras und Matratzen für den Sportraum bescherte. Seitdem finanziert
sich das Projekt komplett selbst, was nur möglich ist, weil hier
alle ehrenamtlich arbeiten. Dennoch stand das Projekt des Öfteren
vor großen finanziellen Schwierigkeiten. Wie diese gemeistert
werden konnten, bleibt einigen bis heute unverständlich. Meistens
wurden große Geldprobleme aber durch Benefizveranstaltungen, wie
das Benefiz für den Kicker oder das Benefiz für eine neue
Musikanlage, gelöst. Vor dem größten finanziellen Problem
standen wir 2006, zeitgleich mit den bereits erwähnten Behördenbegehungen,
als wir 2000 Euro für Strom und 2200 Euro für Wasser nachzahlen
mussten und zusätzlich rund 800 Euro für Steuern. Auch dieses
Problem wurde mit Hilfe von Benefizveranstaltungen gelöst, wobei
wir recht lange daran zu knabbern hatten. Aktuell stehen wir vielleicht
vor einem neuen riesen Desaster, denn es gibt eine Forderung in Höhe
von 4329 Euro, die uns aufgrund einer angeblichen Urheberrechtsverletzung
in Rechnung gestellt wird. Wie die Sache ausgeht, ist zur Zeit noch
unklar.
Klar ist aber, dass die finanzielle Situation durchaus auch besser sein
könnte. Wenn durch mangelnde Zahlungsmoral der NutzerInnen von
Projekt-, Schlaf- und Proberäumen zeitweise Außenstände
von 5000 Euro auflaufen und auf der (nach Plenumsbeschluss nicht existierenden)
Anschreibeliste rund 800 Euro offen sind, ist es logisch dass das Projekt
im Ernstfall in finanzielle Engpässe kommt.
POLITIK
Eine wesentliche Ausrichtung des Projektes war die politische Arbeit.
So war die Vielfalt an politischen Gruppen im Haus sehr groß.
Angefangen bei der Mobilen Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt,
über das Büro des Vereins Freedom & Equal Rights Voice,
den Infoladen bis hin zu verschiedenen antifaschistischen Gruppen, lebte
das Projekt von und mit Politik. Regelmäßig fanden Vorträge,
Seminare, Diskussions- und Mobilisierungsveranstaltungen zu den verschiedensten
Themen statt. Um all jene Gruppen zu unterstützen, die finanziell
auf sich allein gestellt waren, wurde ein sogenannter Antifacent eingeführt.
Die Getränkepreise wurden leicht angehoben, die dadurch entstandenen
Mehreinnahmen wurden auf die verschiedenen politischen Gruppen aufgeteilt.
Nazis und andere RassistInnen, SexistInnen und AntisemitInnen hatten
auf dem Gelände nichts verloren. Mitmenschen ohne deutschen Pass
waren regelmäßig präsent, hauptsächlich wegen der
Mobilen Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt, teilweise aber
auch aufgrund privater Kontakte.
Wer sich das Projekt heute ansieht, muss leider feststellen, dass von
all dem nicht viel geblieben ist. Die Mobile Beratung für
Opfer rechtsextremer Gewalt hat aus logistischen Gründen
das Projekt verlassen, der Verein Freedom & Equal Rights Voice
und die alte Antifa haben sich in Wohlgefallen aufgelöst
und die Gruppe no tears for krauts hat sich aus bereits
genannten Gründen aus dem Projekt zurückgezogen. Vorträge
und andere politische Veranstaltungen finden schon seit Jahren nicht
mehr statt. Mitmenschen ohne deutschen Pass verirren sich nur noch selten
auf das Gelände. Meist beschränkt sich das auf wenige private
Kontakte oder das Anbieten von Übernachtungsmöglichkeiten
für mehr oder weniger in Not geratene Mitmenschen Der Antifacent
wurde umgewandelt in einen monatlichen Festbetrag von 100 Euro der zurückgelegt
wurde, so dass sich ein beachtlicher Betrag angesammelt hatte. Dieser
sollte für einzelne, vom Plenum genehmigte, politische
Aktivitäten genutzt werden. Da dieses Geld aber leider bei der
Regelung der erwähnten finanziellen Probleme drauf ging, muss der
Betrag als fiktiv und nicht existent betrachtet werden.
Bis auf den alljährlichen Geburtstagsumzug gab es fast keine Öffentlichkeitsarbeit.
Meist erfolgte diese aber auch schon früher nur auf Druck von außen.
So wurde in die Öffentlichkeit gegangen, als in der Anfangszeit
das Projekt durch Anträge der CDU im Stadtrat oder durch aggressive
Wahlwerbung der Schill-Partei in der Existenz bedroht war. Weiterhin,
als nach dem Brandanschlag auf unser Haus spontan 200 Leute auf die
Straße gingen. Bei diesen Aktionen und dem Heft zum einjährigen
Bestehen blieb es dann aber auch. Eine Transparenz des Projektes gab
es somit nicht.
Positiv zu erwähnen wäre die Junge Antifa, die ihre Arbeit
in den Räumen des Projektes aufgenommen und Infoladen und Archiv
übernommen hat, womit die politische Präsenz auf kulturellen
Veranstaltungen wieder gewährleistet ist. Dass RassistInnen, SexistInnen
und AntisemitInnen auch weiterhin nichts auf dem Gelände zu suchen
haben, ist selbstverständlich. So wurden auch der stadtbekannte
Nazi Sven Liebig und seine Konsorten, die provozierender Weise eine
unserer Veranstaltungen besuchen wollten, souverän vom Grundstück
begleitet.
Werden außerdem die im Konzept formulierten Ansprüche betrachtet,
ist schon die alleinige Existenz eines solchen Freiraums politisch.
Deshalb gilt auch weiterhin: Reil78 mehr als nur Party!
KULTUR
Der kulturelle Bereich ist einer der wenigen, der annähernd so
funktioniert wie er sollte, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass
das Projekt von Veranstaltungen finanziell abhängig ist. So finden
nach wie vor jede Menge Partys und Konzerte in unseren Räumen statt,
die mal mehr oder weniger gut besucht sind. Knackpunkte in der Diskussion
sind dabei immer wieder die Fragen: Wo fängt eigentlich Kommerz
an? und Wer ist für die Durchführung der Veranstaltungen
verantwortlich?.
Der Anspruch war, Veranstaltungen selbst anzubieten, anderen die Möglichkeit
zu bieten dies auch zu tun und dabei darauf zu achten, dass niemand
aufgrund überhöhter Preise (wie allgemein üblich) ausgeschlossen
bleibt. Dies setzt voraus, dass die Veranstaltungen einen unkommerziellen
Charakter tragen, was heißt, dass alle, die am Projekt beteiligt
sind, ehrenamtlich arbeiten und dass nicht mehr Gewinn entsteht, als
zur Erhaltung des Projektes und zur Durchführung der jeweiligen
Veranstaltung notwendig ist. Die KünstlerInnen erhalten eine Aufwandsentschädigung
in Form von Fahrtkosten, Getränken, Essen und Schlafplätzen.
Alle, die an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt sind,
bezahlen logischerweise keinen Eintritt und bekommen vergünstigt
Getränke. Nun gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, was
unkommerziell ist. Bei den einen fängt Kommerz an, wenn eine Band
z.B. bei der GEMA registriert ist, bei den nächsten ist die Grenze
erreicht, wenn eine Band eine Gage fordert und somit darauf scheißt,
ob das Geld am Einlass überhaupt reinkommt und was das für
das Projekt heißt, wenn es eben nicht reinkommt. Manche haben
auch keinen Bock darauf kommerzielle Werbung auf den Plakate zu sehen.
Ist der kommerzielle Charakter des Projektes eine prinzipielle Frage
oder auf den Erhalt des Projektes bezogen? Veranstaltungen, die aus
dem Interesse der privaten Gewinnerzielung heraus durchgeführt
werden, haben wir stets abgelehnt. Aber wie ist das z.B. in dem Fall,
wenn ein/e Veranstalter/in z.B. ein Konzert mit einer Band organisiert,
die Gage fordert, aber die finanziellen Risiken selbst trägt? Und
wie ist das, wenn ein Konzert mit einer Band organisiert wird, die von
Musik lebt und bei der GEMA registriert ist, die aber schlicht für
die Einlasskasse spielt, wobei der Eintrittspreis nicht den vom Plenum
festgesetzten Höchstpreis überschreitet und der/die Veranstalter/in
die GEMA-Gebühren selbst trägt? Wollen wir überhaupt
die Aneignung von Allgemeingut (in diesem Falle von Musik), durch Geldzahlungen
an die GEMA unterstützen? Zu all diesen Fragen konnte bisher kein
Konsens gefunden werden. Bei der Mehrzahl der Veranstaltungen wird aber
darauf geachtet, dass die Bands nicht bei der GEMA registriert sind
und diese gegen die Einlasskasse spielen, wobei es schon einige Male
vorgekommen ist, dass uns Bands angelogen haben und im Nachhinein dann
doch die GEMA-Rechnung ins Haus geflattert kam, wie z.B. bei der super
korrekten Punklegende millions of dead cops (M.D.C.). Ein weiteres
Problem liegt darin, dass das Spektrum an Bands, die sich auf diese
Bedingungen einlassen nicht sehr groß ist, so dass sich die Veranstaltungen
hauptsächlich auf den Punk/Hardcore-Bereich konzentrieren, was
natürlich auch inhaltlich-politische Ursachen hat. Bands anderer
Musikgenre, wie Rock-, Pop- oder HipHop-Bands, die einerseits inhaltlich
den Ansprüchen des Projektes genügen und sich andererseits
auf die erwähnten Bedingungen einlassen, sind leider nur sehr selten
zu finden, was die Vielseitigkeit und Attraktivität der Veranstaltungen
natürlich nicht fördert. Aus diesem Grund schauen sich einige
dann doch lieber auch mal bei GEMA-Bands um.
Bei der Durchführung von Veranstaltungen kommt es immer wieder
zu personellen Problemen, wobei die Frage aufgeworfen wurde, inwieweit
jede einzelne am Plenum teilnehmende Person für die Durchführung
der Veranstaltung verantwortlich ist. Bei Fremdveranstaltungen, also
wenn Leute, die sich sonst nicht mit in das Projekt einbringen, einfach
die Räume nutzen um ihre Veranstaltungen durchzuführen, gibt
es klare Regelungen, die ihr in diesem Heft nachlesen könnt. Wobei
dann doch ab und zu die Frage auftaucht, wo eigentlich die Grenzen zwischen
einer Haus- und einer Fremdveranstaltung liegen. Wer gehört eigentlich
zum Projekt dazu und wer nicht, wo doch alle, die auch nur ein bisschen
am Projekt mitarbeiten ein Teil davon sind und wo doch jede auch noch
so kleine Veranstaltung auch das Gesamtprojekt repräsentiert?
Im Prinzip dient jede Veranstaltung aufgrund der Geldeinnahmen dem Erhalt
des Projektes. Somit müssten sich eigentlich alle das Projekt nutzenden
Personen auch an deren Durchführung beteiligen, was absolut nicht
der Realität entspricht. Die Wirklichkeit sieht so aus, dass hauptsächlich
die am Plenum teilnehmenden Personen die für die Veranstaltungen
durchzuführenden Arbeiten, wie Einlass, Tresen, Technik und kochen
abdecken und damit zeitweise völlig überfordert sind. Alle
anderen verlassen sich darauf, dass das Projekt schon irgendwie erhalten
bleibt und nutzen dabei gedankenlos den ihnen meist kostenlos zur Verfügung
gestellten Freiraum (aus).
WAS HABEN WIR NUN DAVON
Der jetzige Stand der Dinge
Von der ersten Generation ist aufgrund privater und erwähnter
inhaltlicher Gründe heute fast niemand mehr da. Die Anzahl derer,
die gegangen sind, ist wesentlich größer als die, der neu
dazugekommenen. Der Altersdurchschnitt der am Projekt Mitwirkenden ist
somit ein ganzes Stück gestiegen. Immer weniger Leute müssen,
vor allem durch den offiziellen Charakter des Projektes aber auch wegen
fehlender Beteiligung aller ProjektnutzerInnen, immer mehr Arbeit leisten
um alles überhaupt am Leben zu erhalten. So dreht sich der Hauptteil
der Projektarbeit inzwischen schlicht um die Erhaltung des Ganzen, während
Dinge wie Politik, die immer einen festen Platz gehabt haben, auch aufgrund
von Überlastung der aktiven Personen, inzwischen fast vollständig
unter den Tisch gefallen sind. Die Tatsache, dass immer weniger Leute
die Entscheidungen treffen, lässt den Eindruck entstehen, dass
festgefahrene hierarchische Strukturen bestünden, an denen man
nur schwer teilhaben kann. Das Fehlen von politischen Veranstaltungen
und politischen Gruppen unterschiedlicher Ausrichtung führte dazu,
dass sich nur noch im privaten Rahmen mit Politik auseinandergesetzt
wurde, nicht aber im Rahmen des Projektes. Das, und die fehlende Öffentlichkeitsarbeit
führten dazu, dass sich die Spaltung und Anonymität zwischen
den Leuten, die aktiv am Projekt mitwirken, und denjenigen, die schlicht
die Veranstaltungen konsumieren, wesentlich vergrößert hat.
Das Bewusstsein der KonsumentInnen, in was für einem Projekt sie
sich befinden, ist heute teilweise gleich null. Das früher regelmäßig
stattfindende Basisplenum, auf dem nicht die alltäglichen Dinge
geklärt wurden, sondern auf dem Platz war für Selbstreflexion,
für die Neudefinition von Ansprüchen, für die Klärung
aufgetretener existentieller Probleme von innen und außen und
für vieles mehr, findet schon seit Jahren wegen Zeitmangel nicht
mehr statt. Die Außenwirkung des Projektes beschränkt sich
für Nicht-Insider auf die kulturellen Veranstaltungen.
Das alles kann natürlich nicht nur isoliert auf die Reil78 oder
Halle bezogen werden. Allgemein ist die Tendenz festzustellen, dass
sich immer weniger Leute für Hausbesetzer- und Freiraumbewegungen
interessieren, was eine Überalterung nach sich zieht. Auch die
abnehmende Präsenz bzw. Existenz linker politischer Gruppen in
der Öffentlichkeit, bzw. deren zunehmende Spaltung, ist ein allgemeines
Phänomen, dem sich die Reilstraße nicht entziehen kann. Abgesehen
davon wurden die Weichen für viele der dargelegten Probleme bereits
von Anfang an unwiderruflich gestellt, indem sich das Projekt auf die
Stadt einließ und sich damit auf die Ebene eines Vereines drängen
ließ. Auch in dem Konzept einen Freiraum zu schaffen liegen bereits
die Wurzeln später aufgetretener Probleme, da schon der Freiraum
an sich, als Insel in etwas anderem, schon die oft beklagte
Isolation, Einkapselung, Einigelung und Versumpfung beinhaltet.
All diese Punkte führten zu dem Spiraleneffekt, dass das Projekt
von vielen nicht mehr als attraktiv empfunden wurde, so dass sich kaum
neue Leute engagierten, während langjährige MitstreiterInnen
enttäuscht oder ausgepowert das Projekt verließen, was alle
genannten Probleme natürlich noch verstärkt hat. Geblieben
ist ein Kern von Leuten, die fast alle des Öfteren im Projekt schlafen.
Die Bauwagenflotte hat sich enorm vergrößert, auch um neue
Leute an das Projekt zu binden. Das hatte den Effekt, dass das Außengelände
nicht im selben Maße wie früher für diverse Aktivitäten
genutzt wird, da der Raum um die Bauwagen von Außenstehenden oft
nicht mehr als öffentlich zugänglicher Raum betrachtet wird.
In der Anfangskonzeption wurde die Notwendigkeit eines
neuen Projektes in Halle folgendermaßen begründet:
Freie Projekte, die ihre Dynamik aus dem Miteinander und der freien
Entscheidung beziehen, gibt es in Halle kaum. Die kleine Zahl an Möglichkeiten
beschränken sich auf wenige Nutzer, da die verkehrsgebundene Lage
ungünstig ist oder die Freiräume personell bereits
belegt sind. Personen, die subkulturell engagiert sind, finden in alteingesessenen
und bereits durchstrukturierten Projekten keine Möglichkeiten sich
zu verwirklichen. Dies betrifft zum Teil zugezogene Hallenser, jüngere
Generationen oder ausländische Mitbürger.
Liest Mensch sich das heute durch, könnte bei oberflächlicher
Betrachtung angenommen werden, dass inzwischen auch die Reil78 so ein
alteingesessenes, durchstrukturiertes unoffenes Projekt geworden ist.
Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass das nicht stimmt. Die anfängliche
Konzeption besitzt in bezug auf alle Punkte immer noch ihre Gültigkeit.
Dass viele Dinge im Projekt nicht (mehr) laufen, liegt nicht daran,
dass es unmöglich wäre diese hier zu verwirklichen, sondern
daran, dass sich einfach niemand darum kümmert und sich dafür
einsetzt. Möglichkeiten sich hier zu verwirklichen gibt es nach
wie vor viele. Die Offenheit und die Räumlichkeiten dafür
sind vorhanden. Selbst Personen, die kein eigenes Projekt hier verwirklichen
und sich einfach nur in das bestehende integrieren wollen, haben vielfältige
Möglichkeiten das zu tun. Die Bar ist aufgrund von Personalmangel
außerhalb von Veranstaltungen nur noch an drei Tagen geöffnet,
wobei selbst das nicht immer gewährleistet ist. Das Sonntagsfrühstück,
das als gemeinschaftliches Projekt gedacht war, wurde letztendlich von
den immer gleichen Personen organisiert, die irgendwann verbittert aufgaben,
so dass das Frühstück statt jeden Sonntag inzwischen nur noch
einmal im Monat in der Reilstraße stattfindet. Auch die wöchentliche
Mittwochsküche wird von den immer gleichen Personen gewährleistet.
Die leider notwendige Vereinsarbeit lag teilweise jahrelang brach, so
dass auch hier enormer Arbeitsbedarf besteht. Im Moment arbeiten wir
an einer funktionierenden Buchhaltung und versuchen die Fähigkeiten
zu erlangen in Zukunft und für die Vergangenheit die Steuererklärungen
selbst machen zu können, auch um die inzwischen angedrohte Aberkennung
der Gemeinnützigkeit abzuwenden. Das Haus kann immer noch mit den
vielfältigsten kulturellen und politischen Veranstaltungen gefüllt
werden. Auch bei den bereits laufenden Veranstaltungen sind immer zahlreiche
HelferInnen gefragt.
Die Möglichkeiten sich einzubringen sind also zahlreich, so dass
von einer personellen Überbelegung des Freiraumes Reilstrasse78
keine Rede sein kann, ganz im Gegenteil. Auch die Entscheidungsstrukturen
sind nicht so festgefahren wie sie von Außenstehenden oft wahrgenommen
werden. Das Plenum ist offen für alle, die sich mit der Konzeption
des Projektes identifizieren können. Genervtes Augenrollen als
Reaktion auf Kritik von außen, bedeutet nicht die gewünschte
Nichteinmischung. Missstände werden von uns selbst auch wahrgenommen,
nur fehlt einfach oft die Kraft und die Zeit um sich um alles selbst
zu kümmern, so dass auch oft mit Scheuklappen über das Gelände
gegangen wird. Hier soll nämlich niemand der Hausmeister oder Dienstleister
für andere sein, und alle die etwas stört, können auch
selbst für eine Verbesserung sorgen.
Alles ganz nach dem Motto:
REIL78 VORBEIKOMMEN, MITMACHEN, MITENTSCHEIDEN - DENN ES IST
AUCH DEIN PROJEKT.
VORDERHAUS und HINTERHAUS
Das Projekt und die Chaiselounge
Die Chaiselounge ist ein Teil des Projektes, wobei sie eher als Projekt
im Projekt betrachtet werden muss, weshalb dieses Verhältnis hier
auch unabhängig vom Rest betrachtet wird. Nach der gemeinsamen
Besetzung übernahm sie einen Anteil an der von allen zu zahlenden
Miete, handelte aber sonst ziemlich autonom in den ihr überlassenen
Räumlichkeiten im Hinterhaus. Die Beziehung zwischen dem Vorderhaus
und dem Hinterhaus waren dabei von Anfang an von Spannungen begleitet,
die sich grundsätzlich auf die nicht geteilten Ansprüche zurückführen
lassen. Dieses Problem wurde oft thematisiert, konnte aber nie wirklich
geklärt werden. Im Hinterhaus fanden in regelmäßigen
Abständen Partys statt, deren Größenordnungen die Veranstaltungen
im Vorderhaus deutlich überstiegen. Dadurch entstanden mehrere
Probleme. Zum Einen teilt die Chaiselounge nicht die Ansprüche
des unkommerziellen Arbeitens, so dass bei deren Partys das Personal
teilweise bezahlt wird. Zum Anderen ziehen die Partys ein Publikum an,
das sich eindeutig nicht bewusst ist, worum es in dem Projekt geht.
Es wird auf dem Gelände randaliert, versucht in Bauwagen einzubrechen
und es werden rassistische und homophobe Parolen skandiert. Schlägereien
sind keine Seltenheit. Das Gesamtprojekt erhielt Anzeigen wegen Ruhestörung.
Ausbaden mussten das immer alle, wovon die meisten extrem genervt waren.
Eine Zusammenarbeit fand fast nicht statt. Nur das Reilstraßenfest
organisierte man gemeinsam, wobei es bis heute Leute in der Chaiselounge
gibt, die darauf keinen Bock haben, wenn nicht genug Kohle abspringt.
Auf dem Plenum erschienen VertreterInnen der Chaiselounge fast nie,
wenn doch hatte das Ganze eher einen gezwungenen Charakter. Die Vereinsarbeit
wurde allein vom Vorderhaus geleistet, wobei die Veranstaltungen der
Chaiselounge immer wieder zusätzlichen Behördenärger
verursachten. Neben den Anzeigen wegen Zerstörung und Ruhestörung
wäre hier auch der Behördenansturm 2006 zu nennen, dessen
Folgen vor allem das Vorderhaus zu tragen hatte. Geklärt werden
konnten diese Probleme jahrelang fast nicht. Erst nachdem mit einem
Rausschmiss gedroht wurde, erkannte auch die Chaiselounge den Ernst
der Lage, woraufhin auf mehreren Plena über das Problem gesprochen
wurde. Die Folge war, dass VertreterInnen der Chaiselounge inzwischen
einigermaßen regelmäßig das Plenum besuchen, um über
bevorstehende Partys zu informieren und um gelaufene Partys auszuwerten.
Durch das Einstellen professioneller Sicherheitsleute halten sich die
Ausschreitungen auf dem Gelände inzwischen in Grenzen. Dennoch
ist das Verhältnis Vorderhaus Hinterhaus für viele
nicht befriedigend. Auf den Partys der Chaiselounge werden nach wie
vor ein Grossteil der Ansprüche des Gesamtprojektes nicht erfüllt.
Weder ist die Bezahlung von Mitarbeitern damit in Einklang zu bringen,
noch ist das Gelände in der Zeit der Party ein antifaschistischer,
antirassistischer und antisexistischer Freiraum. Ein Teil des Publikums
zeichnet sich nach wie vor durch aggressives Verhalten und Rumgepöbel
aus, die Masse des Publikums ist sich nicht bewusst, dass es sich nicht
in irgendeinem Dienstleistungs-Abfeier-Club befindet, sondern in einem
unkommerziellen Projekt mit Anspruch. Auch im Vorderhaus fanden Partys
dieser Größenordnung statt, wo ähnliche Probleme aufgetreten
sind. Erinnert sei hier an die legendären Antifa-Mixerpartys. Da
wir die Probleme mit diversen Möchtegern-Gangs und anderen Schwachmaten,
die sich Ein-Meter-Lines zogen um danach ordentlich abzuticken aber
nicht eigenständig in den Griff bekamen, beschlossen wir auf Veranstaltungen
dieser Art zu verzichten. Das Problem Vorderhaus Hinterhaus wartet
heute nach wie vor auf seine Lösung.
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