Gegen die Einheitsfeier 2014 in Hannover

Kritik im Vakuum – Beitrag (der AGB) zu einer Debatte, die nicht stattfindet



"Am 02. und 03. Oktober 2014 wird in Hannover der "Tag der Deutschen Einheit" unter dem Titel
"Vereint in Vielfalt" zelebriert. Vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer und läutete das Ende der DDR
und den Anfang der vereinigten BRD ein. Seit dieser Zeit gibt es seitens der radikalen Linken Proteste
gegen diese Art der nationalen Selbstbeweihräucherung. Anfangs geprägt durch die Angst vor einem
vierten Reich und der konkreten Bedrohungslage rassistischer Übergriffe, die sich deutschlandweit in
angezündeten AsylbewerberInnenheime und der Ermordung vermeintlicher MigrantInnen äußerten,
änderte sich der inhaltliche Schwerpunkt der Kritik hin zu der Frage, was der Kern des deutschen
Nationalismus ist und wie dieser zu bestimmen sei.
Gab es in den letzten Jahren teils deutschlandweite Auseinandersetzung darüber, vermisst man diese
Frage in den aktuell erschienenen Aufrufen fast vollkommen.
Eine Kritik an den Einheitsfeierlichkeiten, die dabei nicht auf dem Niveau von Parolen und
Propaganda verbleiben möchte, muss sich den Phänomenen des (deutschen) Nationalismus und des
Staates vor allem theoretisch nähern. Interessant erscheinen uns dabei besonders die Inhalte, die die
letzten Jahre kaum oder gar nicht behandelt wurden. Da Nationalismus im abstrakten Sinne als
unumwundene Identifizierung mit dem eigenen Staat bezeichnet werden kann, wollen wir zuerst
eine Einführung in die Formbestimmung des bürgerlichen Staates und seiner faschistischen
Ausprägung leisten.
Im Anschluss werden wir, beginnend beim deutschen Kaiserreich, den Verlauf des deutschen
Nationalismus bis in die Gegenwart verfolgen. Ziel ist es dabei nicht, ein Wiedererzählen der
historischen Ereignisse, sondern eine Essenz des deutschen Nationalismus zu bestimmen und den
Begriff einer deutschen Spezifik zu erläutern. Der Fokus liegt hierbei auf dem Verhältnis von
Antisemitismus und deutschem Nationalismus.
Abschließend wollen wir mit einer Analyse zeigen, was psychologisch mit nationalistischen Subjekten
im Kapitalismus geschieht. Ziel dabei ist es, genau zu beleuchten, was die Gesellschaft mit den
Subjekten anstellt, dass diese zu Nationalisten werden. Erst mit der Betrachtung der Vermittlung der
gesellschaftlichen Herrschaft durch die individuelle Psyche, glauben wir einen Einblick in das
Phänomen des Nationalismus geben zu können." more @ agb



[oct3-bündnis]