es begann mit einer 400-leute-party und ersten infoveranstaltungen und filmvorführungen innerhalb der ersten woche. die meiste zeit ging mit plena drauf – basisdemokratie und diskussionen als weg zu fairerer entscheidungsfindung.

die stadt hatten wir per fax gleich eingeladen, mit uns über unsere vorstellungen zur nutzung dieses schönen geländes zu reden. nach dem ersten wochenende meldeten sich auch schon die ersten stadtvertreter in form der wohl für zuständig erklärten jugendamtsvertreter. unser konzept kam wohl an, jedoch mochte man an oberer stelle nicht mit „besetzern“ reden. unterstützer aus verschiedenen stadtratsfraktionen legten gute worte für uns ein. erstmal sollten wir bis ende der woche das haus aufgeben, dann würde man weitersehen.

viele von uns wussten nicht, ob wir das glauben sollten oder nicht, ob der abbruch der besetzung eine wirkliche chance bedeutete oder das ende. nach heftigen diskussionen, bei denen sich abzeichnete, dass einer menge von leuten etwas an diesem projekt lag, wollten wir erst mit der stadt annehmbare perspektiven diskutieren, bevor wir alle wieder auf der straße stehen mit unseren unverwirklichten ideen. nachdem mehrere ausweichobjekte als nicht geeignet (lage, zustand) verworfen wurden, kamen wir überein, dass unsere projekte in der reilstraße 78 doch am besten aufgehoben wären. jedoch das ultimatum für ende der woche stand.

nun mussten wir über einen konkreten vertrag reden, vor allem erstmal untereinander (plenum plenum). wie viel unserer freiheit geben wir ab, wenn wir uns auf einen vertrag mit der stadt einlassen? war es überhaupt schon ein fehler mit der stadt zu reden? die angst vor vereinnahmung schreckte manche ab und die finanziellen perspektiven eines projektes mit vertrag erst recht. auch wollte die stadt nur mit einem verein über die nutzung des geländes reden, so dass sich die „initiative reilstrasze 78“ zu „KubultubuRebell e.V.“ gruppieren musste.

die diskussionen waren kontrovers, dass angebot jedoch nicht mehr wirklich unakzeptabel. wir hatten nicht mehr wirklich eine wahl und vielleicht liegt es an uns selbst, wie viel wir uns –trotz vertrag- von der stadt oder vom überhaupt irgendwem vorschreiben lassen. es gab dann wohl bei den beteiligten genug optimismus für den gesetzlich geregelten neustart, so dass es nach dem vorübergehenden auszug und einem monat voller abwarten und zweifel zur vertragsunterzeichnung kam.

nachdem der vertrag mit der stadt abgeschlossen war, kamen schon bald gruppen/vereine und einzelpersonen in die reil 78, um sich zu verwirklichen. anfangs kam es auch zu auseinandersetzungen, da einige unseren anspruch eines unkommerziellen, antirassistischen, antifaschistischen und antisexistische projektes nicht teilen konnten. im laufe der zeit konnten verschiedene projekte im haus ihren platz finden, freiräume besetzen, ideen verwirklichen und sich mehr oder weniger in das projekt integrieren. es finden regelmäßig konzerte und partys statt, im keller proben in fünf proberäumen bands und es treffen sich verschiedene sport- und trommelgruppen. vor allem die aktionstheatergruppe und die jugendantifa stellen im moment einen festen Bestandteil des Projektes dar.

wir entscheiden basisdemokratisch (konsensprinzip) im wöchentlich stattfindenden plenum über alle mit dem projekt zusammenhängenden vorhaben. also bei interesse einfach vorbeikommen.

eine selbstreflexion nach 7 jahren des projektes kann hier nachgelesen werden.